Von Herreden nach Afrika: Südharzer starten die Rallye ihres Lebens

Was sie lockt, ist nicht nur die Abenteuerlust, sondern auch die gute Tat: Für Michael Samel, Hartmut Baumbach und dessen Sohn Sven begann am Freitag die Rallye ihres Lebens, die sie von Dresden über Dakar nach Banjul führt. Wir werden über den Verlauf der Fahrt nach Banjul ausführlich berichten.

Herreden (Kreis Nordhausen). Vor fünf, sechs Jahren sei es gewesen, als Samel einen Bericht über die Benefiz-Rallye im Sportfernsehen sah. Der 51-Jährige war von den Bildern so sehr fasziniert, dass er gezielt im Internet nach der Veranstaltung suchte und viele Informationen zusammentrug. „Ich habe mir gedacht, das ist ein Projekt, das man mal angehen könnte.“

 Aufgrund eines Todesfalls in der Familie wurden die Pläne erst einmal auf Eis gelegt. Irgendwann kam ihm die Rallye wieder in den Sinn, die Lust etwas Außergewöhnliches zu erleben, wuchs von Tag zu Tag und Mitstreiter wurden in der nahen Verwandtschaft mit den Baumbachs ebenfalls schnell gefunden. „Unsere beiden Frauen sind Cousinen. Noch dazu wohnen wir im selben Dorf. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis wir uns über die Rallye unterhalten“, erzählt Hartmut Baumbach.

 

Er sei es am Ende auch gewesen, der Samel animierte, die alten Pläne wieder auszugraben und das Projekt zu starten. Mit an Bord ist Sven Baumbach. Der 30-Jährige sorgt für den richtigen Auftritt im Internet und ist als Fahrer gefragt. „Wir sind ja nicht mehr die Jüngsten und brauchen jemanden, der uns nach Banjul kutschiert. Wir können dann die Tour auf der Rückbank genießen“, flachsen die beiden Älteren und relativieren sogleich: „Nein, nein, wir werden uns auf den Etappen immer schön abwechseln.“

Doch was motiviert die drei Herreder eigentlich, an dieser Rallye teilzunehmen? „Der Abenteuer- und Spaßfaktor ist schon sehr groß. Was auch zählt, ist den Menschen vor Ort zu helfen. Wenn ich eine Geldspende an eine Organisation auf ein Konto überweise, dann ist das doch ziemlich anonym. Fahre ich selbst, dann kann ich in die einzelnen Gesichter schauen und die Freude sehen. Das ist doch tausend Mal schöner als eine Überweisung auf ein Konto“, beschreibt Sven Baumbach seine Motivation.

Sein Vater und Samel nicken zustimmend. Das Trio fühlt sich auf ihre kommenden Aufgaben gut vorbereitet: materiell wie auch körperlich. Das Auto, ein Ford Transit, wurde rallyetauglich auf Vordermann gebracht, die Route unter anderem mit Zwischenstationen in Barcelona, Casablanca und Marrakesch geplant sowie die Unterkünfte als auch die Rückflüge nach Deutschland gebucht. Vor der Reise durften auch zahlreiche Impfungen wie gegen Gelbfieber, Tollwut, Masern, Hepatitis A und B und Malaria nicht fehlen. Kompetent wurde das Team durch Wilfried Fessel in der Fachambulanz für Tropen- und Reisemedizin des Südharz Klinikums Nordhausen beraten.

 Ebenso sind sie auch körperlich an ihre Grenzen gegangen und haben bei hochsommerlichen Temperaturen Autofahren trainiert. Mitfahren wird auch der Faktor Angst. Vor mehr als einem Jahr brach die lebensbedrohliche Infektionskrankheit Ebola in Westafrika aus. Besiegt ist der Ebola-Virus aber noch lange nicht. „Wir werden kein Risiko eingehen und uns gruppenkonform verhalten“, betont Samel, den noch eine andere Sorge begleitet: Fahrzeugausfall. „Micha, wir schaffen das. Wir müssen optimistisch sein“, ist Hartmut Baumbach immer wieder als Motivator gefragt.

Bei allen Ängsten und Sorgen überwiegen doch mehr die positiven Aspekte: das gemeinsame Erleben einer Abenteuertour, der Hilfsgedanke und das Kennenlernen neuer Kulturen sowie der Menschen vor Ort. Einen kleinen Vorgeschmack, was sie dort erwartet wird, gab es bereits. So wurde unter anderem Kontakt zum Team „Jugendtourist“ aus Mühlhausen aufgenommen. Für Christian Jenak und Andreas Böttcher ging es bereits im Frühjahr mit einem Lada nach Gambia. Eine Vorfreude ist bei den Herredern am Donnerstag zu spüren. Schließlich wartet auf die drei Südharzer die Rallye ihres Lebens.

 Die Rallyestrecke

Gestartet wurde die Rallye am Freitag mit dem Prolog in Dresden. Das Team „Nordhäuser Wüstenfüchse“ reiste anschließend zurück nach Herreden. Dort erfolgt der Start am heutigen Samstag um 8 Uhr. Anschließend geht es weiter nach Themar. Anschließend geht es über Mannheim und Montpellier nach Barcelona, dem ersten großen Etappenziel. Den ersten Pflichttreffpunkt, den Fährhafen in Algeciras, müssen die Fahrer am 11. November, um 13.30 Uhr erreichen. Hinter den Teams liegen dann bereits etwa 3000 Kilometer und Afrika direkt vor ihnen.

 

Sandra Arm / 07.11.15